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Claire Janicki auf Para-EM-Kurs

Die 25. Deutsche Ergometermeisterschaft hatte in diesem Jahr pandemiebedingt ein ganz besonderes Format: Sie fand nicht wie gewohnt im Ergo - tempel Essen-Kettwig, sondern erstmals virtuell statt. Die Rennen wurden dabei von allen Teilnehmern zeitgleich ausgetragen und über das Internet gestreamt, so dass sie auf der Website des DRV ganztägig im Livestream verfolgt werden konnten.

Unter den kritischen Augen des Para-Bundestrainers gelang der Pararuderin Claire Janicki vom Mannheimer Ruderverein Amicitia von 1876 auf der 2.000 Meter langen Strecke der 25. Deutsche Ergometermeisterschaftein der Clou und sie erruderte die Goldmedaille. Mit großem Vorsprung vor den Kontrahentinnen verwies sie die letztjährige Deutsche Meisterin aus Kiel auf Platz zwei. Claire startet in der Paraklasse „PR 3“, was bedeutet, dass die Ruderinnen grundsätzlich mit dem ganzen Körper rudern, jedoch unter einer körperlichen und/oder einer visuellen Beeinträchtigung leiden.

Für Claire ist der Gewinn der Goldmedaille bei der Deutschen Ergomeisterschaft etwas ganz Besonderes, denn es handelt sich um ihre erste Meisterschaftsmedaille. Eigentlich sollte Claire bereits bei der letztjährigen Deutschen Sprintmeisterschaft an den Start gehen, musste jedoch den Start aufgrund einer Quarantäneanordnung abmelden. Die Chance, eine Medaille mit nach Hause zu nehmen, war schon damals groß gewesen. Die Freude über die diesjährige Medaille wurde nur wenig davon getrübt, dass das Rennen „nur“ virtuell ausgetragen werden konnte. Die Begegnung mit den anderen Sportler*innen und dabei die Stimmung an der Wettkampfstätte erleben zu können, ist für die Ruderer natürlich immer etwas Besonderes. Doch Claires Reise fängt gerade erst an: Gemeinsam mit ihrem Trainer David Aras bereitet Claire sich auf den Start bei den Europameisterschaften im PR 3 Vierer mit Steuermann Mixed vor. „Wenn es die Coronalage zulässt, wird der gesteuerte Vierer bei der Europameisterschaft in Varese an den Start gehen und wenige Wochen später in Gavirate um einen Startplatz für die Paralympics in Tokio kämpfen“, erklärt David Aras den weiteren Weg von Claire und ergänzt: „Für Claire ist die Verschiebung der Paralympics um ein Jahr genau die richtige Motivation gewesen um wieder Vollgas zu geben.“

Da die Ruder*innen aus dem Vierer allesamt vollberufstätig sind und aus ganz Deutschland zusammenkommen müssen, findet das gemeinsame Training nur an einzelnen Wochenenden oder zu gezielten Wettkampfvorbereitungen statt. Doch Claire hat die Balance zwischen dem hohen Einzel-Trainingspensum und der Ausbildung zur Erzieherin gefunden, die Schule sowie die Ausbildungsstätte stehen voll und ganz hinter der jungen Sportlerin.

Claire begann 2014 mit dem Rudern und konnte sich sehr gut als beeinträchtigte Sportlerin in die Trainingsgruppe einfügen. Sie erzielte sowohl als Steuerfrau als auch als Ruderin gegen Sportlerinnen ohne Handicap etliche Siege und schaffte es bis dato als einzige Sportlerin mit Handicap zum Bundeswettbewerb der Deutschen Ruderjugend (Deutsche Meisterschaft U15). Mit ihren damals 13 Jahren zog sie schon früh die Aufmerksamkeit des Bundestrainers auf sich und wurde offiziell durch den Weltruderverband als PR 3 Sportlerin klassifiziert. Dieses Jahr wird Claire 18 Jahre alt und möchte sich ihr ganz besonderes Geburtstagsge - schenk machen: die Teilnahme an den Paralympics in Tokyo.  

 

(Text: David Aras /  Foto: Sportkreis Mannheim)

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