Editorial

Liebe Leserinnen und liebe Leser,
liebe Ruderfamilie,

 

„Menschen lernen, indem sie ihr Verhalten ändern – Organisationen lernen, indem sie ihre Kommunikationsstruktur ändern.“ Dieses Zitat aus einer von mir vor zehn Jahren besuchten Fortbildung zur Organisationsentwicklung passt sehr gut zum derzeitigen Veränderungs- und Entwicklungsprozess des Länderrates des Deutschen Ruderverbandes (DRV). Der Länderrat versteht sich dabei als „lernende Organisation“, die bereit ist, vorhandene Kommunikationsstrukturen zu überprüfen und zu verändern.

Eine Kernaufgabe des Länderrates besteht darin, das Präsidium oder andere Entscheidungsträger im DRV über die durch die föderale Struktur der Bundesrepublik Deutschland bedingten unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den einzelnen Bundesländern zu informieren und damit die Interessen der Länder zu wahren. Ein aktuelles Beispiel ist die Zusammenarbeit zwischen Landesruderverbänden (LRV), Länderrat und DRV bei dem sogenannten „einheitlichen Rahmen zur Bewertung und Förderung der Sportarten und Disziplinen im Nachwuchsleistungssport in den Ländern“ des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Die LRV werden nach den Ergebnissen, die zentral beim DOSB ausgewertet werden, von ihren Landessportbünden (LSB) verschiedenen Förderstufen zugewiesen und erhalten in Abhängigkeit von der Einstufung einen Teil ihrer LSB - Mittelzuweisung.

Obwohl vom DOSB für die Jahre 2009 bis 2012 ein vierjähriger Auswertungszyklus geplant ist, haben einige LSB auf Grund der Zwischenergebnisse für die Jahre 2009/2010 ihre Mittelzuweisung geändert. Besonders ärgerlich war dies für einen LRV, der durch eine fehlerhafte Datenerfassung eine Mittelkürzung in fünfstelliger Höhe angekündigt bekam. Gemeinsam ist es uns gelungen, dass der DOSB in der vom entsprechenden LSB geforderten Frist eine korrigierte Berechnung erstellt hat. Nach diesem Feuerwehreinsatz plant der Länderrat im Einvernehmen mit dem DRV, die Arbeitsabläufe zu verändern.

In der Vergangenheit hat ein Bundestrainer bzw. eine Bundestrainerin diese umfassende Datenerfassung allein bewerkstelligen müssen. Dazu mussten neben den Kaderlisten viele Rennergebnisse der nationalen U17-/U19- und U23-Meisterschaften sowie alle der U19- und U23-WM ausgewertet werden und jedes Mannschaftsmitglied musste über die Vereinszugehörigkeit dem richtigen Bundesland zugeordnet werden. Insgesamt eine Arbeit, die eigentlich nicht fehlerfrei von einer Person zu leisten ist. Anschließend sollten die LRV die Daten kontrollieren, da die Ergebnisse aber nicht personenbezogen dokumentiert waren, ebenfalls ein schwieriges Unterfangen.

In der Zukunft werden nun die LRV die Auswertung für ihr Bundesland personenbezogen dokumentiert vornehmen und die Daten anschließend zur Zusammenführung und gleichzeitigen Kontrolle an die U19-Bundestrainerin weiterleiten. So verteilen wir die Arbeit auf viele Schultern und die LRV sind frühzeitig eingebunden. Die Entwicklung der Erfassungsmaske wurde vom Länderrat übernommen, wobei alle wesentlichen Akteure in einem Beteiligungsverfahren vorab eingebunden werden. Dies stellt sicher, dass die anschließende Erfassungsarbeit schneller und fehlerfreier abläuft. Als kleiner Nebeneffekt wird das doch sehr „esoterisch angehauchte“ DOSB-Auswerteverfahren deutlich transparenter.

Durch veränderte Kommunikationsprozesse und Informationsflüsse können in diesem Fall die Bedürfnisse aller Beteiligten besser befriedigt werden. Der Länderrat als „lernendes DRV-Organ“ wird diesen Weg konsequent zum Wohle des Deutschen Rudersports fortsetzen.

 

Ihr Reinhart Grahn
Vorsitzender Länderrat Deutscher Ruderverband

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